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Guàrdies d'asalt al carrer Diputació. 19-07-1936. Agustí Centelles
Sturmtruppen im Carrer Diputació. 19-07-1936. Agustí Centelles
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Barcelona gehörte weltweit zu den ersten Städten, in denen lichtempfindliche Platten zur Herstellung von Fotos, so genannte Daguerreotype, hergestellt wurden. Die erste Aufnahme machte der Graveur Ramon  Alabern i Casas am 10. November 1839 von einer Dachterrasse an der Plaça de la Constitució aus bei einer festlichen, öffentlichen Veranstaltung. Das Bild wurde später in der Akademie ausgestellt und unter den Besuchern verlost. Man weiß nicht, ob es heute noch erhalten ist.

Aixafem el feixisme. Pere Català Pic. Comissariat de propaganda de la Generalitat. 1936
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Aixafem el feixisme. Pere Català Pic.
Comissariat de propaganda de la
Generalitat. 1936

Im Laufe des 19. Jahrhunderts konsolidiert sich das als Geschäft mit der Fotografie und sie wird auch bei der Bevölkerung immer populärer. Gleichzeitig entwickelt sie sich zu einer der herausragendesten kulturellen Ausdrucksformen. Zur ersten Generation katalanischer Fotografen, die alle piktorialistisch orientiert sind, gehören unter anderen Pere Casas Abarca (1875-1958), Joan Vilatobà (1878-1954) oder Claudi Carbonell Flo (1891-1970). Die herausragende Figur unter diesen Pionieren im Bereich des Piktorialismus und ein Fotograf, der aufgrund seines Einflusses später die Brücke zur zweiten Generation schlug, ist Joaquim Pla Janini (1879-1970).

Nach verschiedenen Versuchen eines Zusammenschlusses wurde 1923 die Agrupació Fotogràfica de Catalunya, die Fotografische Vereinigung Kataloniens, gegründet, in der sich um Pla Janini und Carbonell die neuen Fotografen zusammenfanden. Die Sammlung des Museums dieser Vereinigung umfasst heute mehr als 25.000 stereoskopisch aufgenommene Glasnegative aus Katalonien und dem übrigen Europa. In dieser zweiten Generation gibt es zwei Stimmen, die eine gewisse Innovation darstellen. Zum einen Joan Porqueras (1889-1969), der die Stadt zu seinem Thema wählt und sich dadurch von den piktorialistischen Regeln entfernt. Die andere Stimme ist Antoni Campañà (1906-1989), der bei Willi Zielke in München lernte. Die Neuentwicklungen in der deutschen Fotografie lernte er so aus erster Hand kennen und brachte sie in seiner Arbeit als Fotojournalist auch zur Anwendung.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es in Katalonien keine Fotografen, die professionell für die Presse arbeiten. Die herausragendsten Pioniere des katalanischen Fotojournalismus sind Alexandre Merletti (1860-1943), der sich eigens eine Kamera baute, um das einzige existierende Bild vom Militärgerichtsverfahren gegen den Pädagogen Francesc Ferrer i Guàrdia aufnehmen zu können, sowie Josep Brangulí (1879-1946) und Carlos Pérez de Rozas (1883-1954), Begründer der zwei wichtigsten Familien von Fotojournalisten in Katalonien.
1906 wird die erste auf das Thema Sport spezialisierte Veröffentlichung ins Leben gerufen: El Mundo Deportivo. Für diese Zeitung arbeitet der bedeutendste Sport-Fotograf: Josep M. Co de Triola (1884-1965). Mit der Einführung des Rotationstiefdrucks bei den Zeitungen El Día Gráfico und La Vanguardia konsolidiert sich der Fotojournalismus nach und nach. In den 20er Jahren sind seine aktivsten Vertreter Josep M. de Sagarra i Plana (1894-1959), Pau Lluís Torrents (1891-1966) und Josep Gaspar (1892-1970).

Oriol Maspons i Colita
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Oriol Maspons i Colita. Efe

Das Interesse an der Fotografie nimmt immer mehr zu. Es finden Ausstellungen in Kunstgalerien statt, es gibt regelmäßig erscheinende Fachveröffentlichungen und eine starke Präsenz der Fotografie in den Kunstzeitschriften, von denen die kosmopolitische Zeitschrift D’ací d’allà hervorzuheben ist. 1929 wird anlässlich der Weltausstellung in Barcelona der erste Internationale Fotografie-Salon organisiert. So ist ab Ende der 20er Jahre erstmals eine gewisse Öffnung für neue Tendenzen zu spüren, wenn auch der Piktorialismus bis Ende der 50er Jahre vorherrschend bleibt. Wichtigster katalanischer Vertreter der Neuen Sachlichkeit war Emili Godés (1895-1970). Seine Bilder von den Gebäuden und Hallen der Weltausstellung gestaltete er mit großem Realismus. Godés war nicht der einzige Fotograf mit Interesse an avantgardistischen Trends. Im Bereich der Werbe- und Architekturfotografie ist mit einem Stil zwischen Neuer Sachlichkeit und Neuer Sicht Josep Sala (1896-1962) hervorzuheben, der regelmäßig mit dem Architekten Josep Lluís Sert zusammenarbeitete. Im Bereich der Werbung war auch Josep Masana (1894-1979) tätig, der diese Arbeit mit Porträtaufnahmen von Persönlichkeiten aus der Welt des Schauspiels und der Unterhaltung verband. Ab 1930 wenden sich andere Fotografen der Neuen Sachlichkeit und dem Konstruktivismus zu und schieben die Salonfotografie beiseite. Repräsentative Vertreter dieser Tendenz sind Antoni Arisa (1900-1980) und Josep M. Lladó (1903-1956).

Joan Fontcuberta
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Joan Fontcuberta. Efe

Die wichtigste Persönlichkeit im Bereich der avantgardistischen Fotografie ist der vielseitige Pere Català Pic (1889-1971), der erste katalanische Theoretiker auf dem Gebiet der Fotografie. Er unternimmt große Bemühungen zur Verbreitung der neuen avantgardistischen Tendenzen in Europa, besonders der deutschen Neuen Sicht. Dazu veröffentlicht er Artikel in verschiedenen Fotografie- und Kunstzeitschriften. Im Bereich der Theorie ist auch Salvador Dalí zu nennen, der sich in verschiedenen Texten mit der Fotografie beschäftigte. Hervorzuheben ist der in der Zeitschrift  La gaseta de les Arts veröffentlichte Text La dada fotogràfica (1929).   

Català Pic stach auch als Werbefotograf hervor, arbeitete mit Fotomontagen und experimentierte unter dem Einfluss von Man Ray und Moholy-Nagy mit der Abstraktion. Während des Spanischen Bürgerkriegs war er Leiter für Veröffentlichungen beim Propagandakommissariat der katalanischen Regierung, wo auch Sala und Massana arbeiteten und Plakate, Zeitschriften und Bücher entwarfen. In dieser Zeit, 1936, zeichnet Català Pic das berühmte Plakat Aixafem el feixisme, das als eines der besten Werbefotos der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gilt. Im Bereich der politischen Fotomontage ist die internationalste Persönlichkeit der katalanischen Kultur des 20. Jahrhunderts Josep Renau (1907-1982) aus Valencia.

Zur Modernisierung des katalanischen Fotojournalismus kommt es dank Agustí Centelles i Ossó (1909-1985). Während der Jahre der 2. Republik sorgt Centelles für Innovation in den Bildberichten, vor allem ab 1934, als er eine Leica erwirbt. Seine Arbeit mit dieser Kamera während des Bürgerkriegs festigt seine Stellung als einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts . Einige seiner Bilder werden in den wichtigsten regelmäßig erscheinenden internationalen Veröffentlichungen dieser Zeit verbreitet. Centelles geht 1939 ins Exil und nimmt einen Teil seines persönlichen Archivs in einem Koffer mit: an die fünftausend 35-mm-Negative, die dann jahrzehntelang in Frankreich aufbewahrt werden. Nach dem Tod Francos im Jahre 1975 konnte Centelles eines der wichtigsten fotografischen Vermächtnisse der 2. Republik und des Bürgerkriegs sowie die außerordentlichen, während seiner monatelangen Gefangenschaft im französischen Konzentrationslager Bram aufgenommenen Bilder wiedererlangen.

Nach dem Spanischen Bürgerkrieg gingen viele Fotografen ins Exil. Von denen, die im Land blieben, verschwanden einige aus der Öffentlichkeit, andere gaben ihre ästhetischen Ansätze auf, um überleben zu können. Viele der Fotojournalisten waren von den Säuberungen des neuen Regimes betroffen. Ein Beispiel für diese Repression ist Josep M. Pérez Molinos (1921-2004), der nach dem Bürgerkrieg zum offiziellen Fotograf des Zivilgouverneurs in Barcelona ernannt wurde. Als 1942 seine politische Vergangenheit ans Licht kam, wurde er gezwungen, seinen Beruf aufzugeben. Kurz vor seinem Tod tauchten die Negative auf, die er in der Wohnung seiner Familie aufbewahrt hatte. Sie zeigen den Bürgerkrieg, die Nachkriegszeit und einige Ereignisse aus der ersten Zeit der Besatzung durch Franco, darunter den Besuch des Nazi-Oberbefehlshabers Heinrich Himmler in Barcelona.

Andere Fotografen nahmen bequem die Ästhetik der Diktatur an, die sich wieder am Piktorialismus orientiert. Anfang der 50er Jahre sind die fotografischen Vereinigungen und die Wettbewerbe die Hochburg einer Fotografie, die einen heftigen Niedergang erleidet. Am Rande dieses Salonumfeldes taucht Francesc Català Roca (1922-1998) auf, einer der Söhne von Català Pic. Nachdem er mit dem Vater gearbeitet und bei ihm das Handwerk gelernt hat, macht er sich 1948 selbständig, um einen langen, einflussreichen Weg als Fotodokumentar zu beginnen. In den 40er Jahren ragt das sehr persönliche Werk von Joaquim Gomis (1902-1991) mit seinen Fotoscops (ein erfundener Begriff, der mit Hilfe des Lichtes untersuchen bedeutet) hervor. Gomis bildet zusammen mit Català Roca eine Brücke in die Zukunft.

Eine neue Fotografengeneration, die eine andere Arbeitsweise als den Piktorialismus des Regimes beansprucht, entsteht erst in den 50er Jahren:  Oriol Maspons (1928), Julio Ubiña (1922-1988), Joan Colom (1921), Ramon Masats (1931), Eugeni Forcano (1926), Xavier Miserachs (1937-1998), Ricard Terré (1928), Leopold Pomés (1931), der sich in Richtung Werbung entwickelt, und später Colita (1940). Eine Schlüsselfigur dieser Zeit ist Josep Maria Casademont, Theoretiker, Kritiker und Förderer der Fotografie. In der Sala Aixelà und auch durch die Herausgabe von Büchern und Fachzeitschriften brachte Casademont Fotografie und Publikum zusammen.

Gegen Ende der Francozeit, als mit dem Übergang zur Demokratie auch die Pressefreiheit wiedergewonnen wurde, zog eine neue Generation Fotografen auf die Straße, um den historischen Zeitpunkt festzuhalten. So begannen berufliche Werdegänge, die bis heute andauern: Manel Armengol, Paco Elvira, Pepe Encinas, Joan Guerrero, Tino Soriano, Kim Manresa oder Jordi Socías, zusammen mit anderen jüngeren Fotografen wie Pedro Madueño, Sandra Balcells oder Txema Salvans. Herausragende Namen auf dem Gebiet der künstlerischen Fotografie sind Pere Formiguera,  Toni Catany und Manel Esclusa. Gesondert zu erwähnen ist Joan Fontcuberta, der die theoretische Seite mit einem Werk verbindet, das über die Ästhetik hinausgehend in ideologischer Reflexion gipfelt.